Nachdem sich in letzter Zeit immer mehr Medien fragen, ob das Phänomen "Generation Praktikum" vielleicht von ihnen selbst etwas überzeichnet wurde,
demonstrieren streiken performen in Berlin, Paris, Brüssel und Wien die
vermeintlichen Mitglieder Mitleider der Generation P - mit weißen Masken, um die Gesichtslosigkeit von ständig wechselnden Praktikanten zu versinnbildlichen, vor allem aber um "anonym zu bleiben, was den Betroffenen wichtig ist", wie es im Aktionsaufruf des
DGB und
Fairwork e.V. heißt.
Gerade an einem solch bedeutenden Tag, der eigentlich die Probleme der Generation P in den Blickpunkt der Menschen rücken soll, titelt nun nach der
FAZ und der
Tageszeitung "Die Welt" auch die
taz: "Dauerpraktika selten". Die Tageszeitung stimmt also in den Chor ein, der da singt: "Die Probleme sind überzeichnet, so schlimm ist es ja gar nicht".
Irgendwie ist das schon etwas schade. Mag ja sein, dass es nicht ganz so schlimm aussieht, wie einige Medien berichten. Aber das verstärkte Medieninteresse an der Generation Praktikum damit zu begründen, dass in der Medienbranche besonders viele Dauerpraktikanten zu verzeichnen sind, ist problematisch.
Selbst, wenn die Probleme überzeichnet wurden und in dieser Art vielleicht nur in einigen Branchen zu beobachten sind, ist klar: Der Berufseinstieg für (Jung-)Akademiker ist schwerer geworden in den letzten Jahren. Und das ist ein Problem, das weitreichende Folgen hat, diskutiert, aber vor allem gelöst werden muss.
Außerdem ist es inkonsequent, liebe
taz, zunächst mit
horrenden Zahlen um sich zu werfen:
"900.000 gehören der verlorenen Generation P in Deutschland an, 800.000 in Frankreich"
... diese dann wieder (
in einem anderen Artikel) herunterzuschrauben:
"400.000 Praktikanten"
und dann ein paar Tage später die Generation Praktikum als
gemachtes Phänomen hinzustellen:
"Dauerpraktika selten".
Nochmal: Die Zahl der absolvierten Praktika nach Studienabschluss hat zugenommen (nachzulesen z.B.
hier oder
hier). Der Berufseinstieg für Jung-Akademiker ist schwieriger geworden: immer schwieriger wird es, mit den Aussichten auf einen festen Arbeitsplatz. Damit sinkt die Sicherheit, die Planbarkeit der Zukunft, die Chance auf Familiengründung und Nachwuchs (nachzulesen z.B.
hier).
In einer solchen Situation ist es nur richtig, aufzustehen und zu protestieren.